a tomography of
artificial power

Sylvia Eckermann and Gerald Nestler,
in collaboration with Aaron Berman

Opening: November 11, 19:00
Exhibition: November 12–15, 2026
Art space Eckermann and Nestler,
Neulinggasse 9, 1030 Vienna.

The Future of Demonstration. Season 6



KI empfindet zwar nicht, bestimmt aber zunehmend mit, was wir fühlen und denken, was gestattet ist und was verwehrt bleibt. ABLAZE lässt sich auf KI als Material, System und Gegenüber ein und erkundet Schicht für Schicht, wo und wie Kunst intervenieren kann, um Abweichung und Verweigerung als Formen des Widerstands zurückzugewinnen.

KI und die mit ihr verbundenen extraktiven Prozesse markieren ein neues Regime der Überhitzung, befeuert von unersättlichem Energiehunger, aufrechterhalten durch gewaltige Kühlinfrastrukturen. Wie ein pyroklastischer Strom wälzt sich KI durch gesellschaftliche und klimatische Gefüge. Sie generiert, prognostiziert, bewertet und autorisiert – und erzeugt dabei eine eigentümliche Verschmelzung von Beschleunigung und Paralyse. Selbst der lebendige Körper, zur pyroplastischen Assemblage verformt, flackert im Licht maschineller Fluoroskopie – sichtbar gemacht und dem Zugriff von Dominanzregimen ausgesetzt.

ABLAZE begreift KI dabei als Pharmakon: als eine Kraft, die zugleich ermöglicht und zerstört. Im Zentrum begegnen einander zwei irreduzibel verschiedene und doch verflochtene Körper: der menschliche als gelebter, empfindender, verletzlicher Leib und der konstruierte, verteilte KI-Körper, in dem Macht durch Klassifikationen und Entscheidungen operative Gestalt annimmt.

ABLAZE folgt einer tomografischen Logik. Wie die Computertomografie aus zahlreichen Projektionen Schnittbilder gewinnt, erzeugt die Arbeit partielle Ansichten des KI-Körpers, indem sie Modelle aus kontrastierenden Perspektiven befragt. Doch ABLAZE macht den KI-Körper nicht nur sichtbar, sondern greift in ihn ein. Steuerungsvektoren durchschneiden den Aktivierungsraum: Sie lassen das Modell auf ein und denselben Prompt aus entgegengesetzten Machtpositionen antworten.

Der Eingriff eröffnet Handlungsspielräume und übt zugleich Kontrolle aus. Die dabei generierten Antworten verdichten sich zu audiovisuellen und narrativen Fragmenten, in denen Spannungen zwischen Autorität und Abweichung, Unterwerfung und Verweigerung hervortreten. Modellaktivierungen werden in Karten, Partituren und bewegte Oberflächen übersetzt. Die Besucher:innen können eigene Prompts eingeben und erproben, wie sich die Antworten des Modells zwischen entgegengesetzten Machtpositionen verschieben. So wird KI als ein sich fortwährend veränderndes Beziehungsfeld erfahrbar.

ABLAZE löst Auflösung aus ihrer vorwiegend technischen Bestimmung und entfaltet sie als vielschichtige künstlerische Praxis: Aesthetics of Resolution. So entsteht ein sinnlicher und performativer Raum, in dem das Publikum erkunden kann, wie aus diesen Verflechtungen kollektive Handlungsfähigkeit hervorgehen könnte.

Der gesamte Prozess wird während der Eröffnung live und performativ vollzogen und bildet die Grundlage für die Ausstellung sowie für die Mitwirkung der Besucher:innen.

Zum Zusammenspiel von künstlerischer Praxis und computergestützter Analyse

ABLAZE nutzt kontrastive Aktivierungssteuerung (contrastive activation steering), um große Sprachmodelle anhand ihrer internen Aktivierungen zu untersuchen.

Der tomografischen Logik des Projekts folgend, untersucht die Arbeit verschiedene Schichten des Modells aus kontrastierenden Perspektiven. So werden Unterschiede zwischen Autorität und Unterwerfung experimentell erfassbar und künstlerisch bearbeitbar.

Dazu werden die Sprachmodelle mit paarweise angelegten Situationen konfrontiert. Jede Situation wird aus zwei Perspektiven formuliert: aus der Sicht einer Person, die Macht ausübt, und aus der Sicht einer Person, die dieser Macht unterworfen ist. Die Unterschiede zwischen den daraus entstehenden Aktivierungsmustern werden über viele solcher Paare hinweg gemittelt. So ergibt sich im Aktivierungsraum des Modells eine geometrische Richtung zwischen Autorität und Unterwerfung.

Entlang dieser Achse lässt sich das Modell in beide Richtungen verschieben. Dadurch kann es auf ein und denselben Prompt stärker aus der Position von Autorität oder Unterwerfung antworten. Dabei treten unterschiedliche Ausdrucksformen von Dominanz, Unterordnung, Widerstand und Verletzlichkeit hervor.

Ein Verfahren zur Dimensionsreduktion überführt den hochdimensionalen Aktivierungsraum in zweidimensionale Geometrien. Darin werden Beziehungen von Nähe und Abstand, Trennung, Gruppierung und Ausrichtung sichtbar. Diese Geometrien dienen als vorläufige „Organogramme“ des KI-Körpers: Sie zeigen, wie sich die untersuchten Unterschiede im Aktivierungsraum verteilen.

Aus den projizierten Geometrien entstehen räumliche und visuelle Partituren. Steuerungsvektoren werden zu dramaturgischen Kräften, Modellantworten zum Material für narrative, choreografische, audiovisuelle und interaktive Kompositionen.

AI does not feel. Yet it increasingly helps shape what can be felt, feared, acted upon, or denied. ABLAZE descends through the layers of the AI body, exploring how art can intervene in conditions of exposure and domination and reclaim deviation and refusal as forms of resistance.

AI marks a new regime of overheating, fueled by voracious demands for energy and extraction and sustained by vast infrastructures of cooling. Like a pyroclastic flow, it surges through socioscapes and climates, generating, predicting, ranking, and authorizing while producing a strange fusion of acceleration and paralysis. Even the living body, reshaped as a pyroplastic assemblage, flickers under machinic fluoroscopy, exposed within regimes of domination that render deviation and refusal visible and actionable.

ABLAZE engages AI as material, system, and counterpart – as a pharmakon, a force at once enabling and destructive. At the center of the work, two irreducibly different yet entangled bodies meet: the human body – lived, sensing, vulnerable flesh – and the constructed, distributed, operational AI body, in which power assumes the form of classifications, thresholds, and decisions.

Following a tomographic logic, the work produces partial views of the AI body by probing models from contrasting perspectives, much as CT imaging reconstructs a body from multiple projections. Yet ABLAZE does not merely image this body – it intervenes in it. Steering vectors become incisions in activation space, shifting responses to the same prompt between opposing positions of power and revealing the tension between agency and control within the intervention itself.

The resulting responses become audiovisual and narrative fragments in which authority meets deviation and subjection meets refusal. Model activations are translated into maps, scores, and moving surfaces. Visitors can enter their own prompts and test how the model’s responses shift between opposing positions of power. In this way, they encounter AI as an evolving field of relations.

ABLAZE expands resolution beyond its predominantly technical meaning and unfolds it as a multilayered artistic practice – an aesthetics of resolution. It opens a sensory and performative field in which audiences can explore how collective agency might emerge from these entanglements.

During the opening, the entire process is enacted live, forming the basis for both the exhibition and audience participation.

Note on the Artistic-Computational Approach

ABLAZE uses contrastive activation steering to investigate large language models from within their operational structure. Following the tomographic logic introduced above, it probes models across different layers and from contrasting positions, making differentiations between authority and subjection available for artistic-computational experimentation.

The project presents language models with paired situations, each seen from two perspectives: that of a person exercising power and that of a person subjected to it. The differences between the resulting activation patterns are averaged across many such pairs, producing a geometric direction between authority and subjection within the model’s internal structure.

Shifting the model in either direction along this axis can orient its response to the same prompt more strongly toward authority or subjection, revealing different expressions of domination, submission, resistance, and vulnerability.

Dimensionality reduction translates the high-dimensional activation space into two-dimensional geometries of proximity, separation, clustering, and orientation. These function as provisional “organograms” of the AI body, tracing how the tested differentiations are distributed across activation space. Projected geometries become spatial and visual scores, steering vectors become dramaturgical forces, and model responses provide material for narrative, choreographic, audiovisual, and interactive composition.